Hausnotruf lesen

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Die Zunahme ambulanter Pflegeverhältnisse führt dazu, dass mehr Menschen auf schnelle Hilfe in Notlagen angewiesen sind. Wer zuhause und damit in gewohnter Umgebung so lange wie möglich ein selbstständiges Leben führen möchte, muss jedoch dafür sorgen, dass schnell jemand da ist, wenn akut konkrete Hilfe nötig ist. Der Hausnotruf gewinnt an Bedeutung. Doch wie wirksam ist der Hausnotruf im Notfall? Wie teuer ist er? Gibt es finanzielle Unterstützung? Wie kann ich die Qualität der Anbieter vergleichen? Diese Fragen werden im Folgenden betrachtet.

  • Wie funktioniert der Hausnotruf?
  • Technische Voraussetzungen
  • Ein praktisches Beispiel
  • Konkrete Leistungen
  • Wer bietet Hausnotrufe an?
  • Bewertungskriterien
  • Kosten
  • Übernimmt die Pflegekasse die Kosten?
  • Eine Checkliste
  • Fazit

Wie funktioniert der Hausnotruf?
Ein Hausnotruf ist ein Warnsystem, das einem in Schwierigkeiten geratenen Hilfebedürftigen die Möglichkeit gibt, durch einen einfachen Knopfdruck Hilfe herbei zu holen. Dies erinnert an den Knopf im Krankenhaus, wenn ein Kranker durch Knopfdruck einen Pfleger herbei rufen kann. Wichtig ist, dass auf den Notruf schnell reagiert werden kann. Oft aber genügt schon die Kommunikation, um den in Schwierigkeiten geratenen Menschen zu beruhigen. Die Zuverlässigkeit und leichte Bedienbarkeit des Notrufapparates ist von ebenso entscheidender Bedeutung wie die Rund-um-die-Uhr-Besetzung und Handlungsfähigkeit der Notrufzentrale.

Technische Voraussetzungen

Um einen Hausnotruf zu installieren, benötigt man nur eine Basisstation, die einem Festnetztelefon ähnelt und ein Notrufendgerät, das so klein ist, dass es ohne Probleme um das Handgelenk oder den Hals getragen werden kann. Als technische Voraussetzung für die Installation müssen lediglich ein Telefonanschluss und eine freie Steckdose vorhanden sein. Die meisten der anbietenden Dienste installieren und testen den Hausnotruf durch Techniker vor Ort. Im Grunde sind somit in fast allen Wohnungen die technischen Voraussetzungen für die Installation eines Hausnotrufs gegeben.

Ein praktisches Beispiel

Eine Angestellte der Diakonie Hagen, Christa Reinke, sieht in dem Hausnotruf überwiegend eine positive Errungenschaft. Aber: Die Menschen, die auf dieses Hilfsmittel zurück greifen, müssen Orientierung haben. Denn es kommt vor, dass Senioren stürzen und im Schock nicht auf den Knopf drücken können. Somit eignet sich der Hausnotruf nicht für Patienten mit fortgeschrittener Demenz.
Insgesamt aber hilft der Hausnotruf. In der Zentrale sitzen professionelle Mitarbeiter, die die Hilfesuchenden beruhigen und den ambulanten Dienst effektiv zur Hilfe schicken. In der Praxis, so Frau Reinke, bewährt sich der Hausnotruf. Er wird nicht von einsamen Leuten als Kommunikationsinstrument missbraucht. Dies ist auch die Tatsache einer professionellen Einrichtung und der Einübung des Notrufs mit dem Hilfesuchenden. Frau Reinke glaubt, dass dieser Hausnotruf im Kontext vertrauter ambulanter Pflegebeziehungen von besonderer Bedeutung sein kann.

Konkrete Leistungen
Neben dem „Grundstandard“ gibt es auch weitere Funktionen, die angeboten werden. So können mehrere Kanäle installiert werden, so dass im Notfall mehrere Personen oder Institutionen parallel benachrichtigt werden können. Außerdem kann ein Rauchmelder zusätzlich angebracht werden. Einige Dienste bieten ebenfalls eigene Fahrdienste an. Hier erhält der Dienst einen Schlüssel, so dass Ärzte, Sanitäter oder Helfer direkt zum Hilfsbedürftigen ins Haus gelassen werden können.

Wer bietet Hausnotrufe an?
Es gibt sowohl die bekannten institutionellen Träger, die auch Pflegeheime betreiben und von der Kirche, den Wohlfahrtsverbänden oder den Kommunen betrieben wird. An verschiedenen Orten sind es jedoch unterschiedliche Anbieter, die den Hausnotruf anbieten. Die Johanniter, das deutsche Rote Kreuz oder der Arbeiter-Samariter-Bund sind zum Beispiel Organisationen, die einen Hausnotruf betreiben. Diese Institutionen sind ebenfalls in der Unfallhilfe tätig und können ihre Erfahrungen deshalb auch hier nutzen, sicher kein Nachteil.

Bewertungskriterien
Der Westdeutsche Rundfunk hat in seiner Sendung Markt die Hausnotruf-Systeme verschiedener Anbieter getestet. Von wichtiger Bedeutung im Test war die Tagestaste. Diese hat die Funktion, dass sich die über einen Hausnotruf verfügenden Personen ein Mal am Tag in der Zentrale per Tastendruck melden müssen, um zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Bei drei von vier Anbietern funktionierte der Test. Als die Testperson nämlich die Taste nicht gedrückt hatte, meldeten sich drei von vier Anbietern aktiv bei der Person, um nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Der vierte Anbieter tat über eine Woche lang nichts und fiel dementsprechend bei dem Test durch. 
Eine weitere Evaluation betraf die Reaktion der Notrufzentrale auf einen Hilferuf. Hier wurde auf die Tonqualität beim Gespräch, auf die medizinische Abfrage einer künstlich hergestellten Notsituation sowie auf die adäquate Reaktion auf einen simulierten Notfall geachtet. Die Unterschiede zwischen einzelnen Diensten waren beachtlich. Denn in einigen Fällen wurde eine gezielte medizinische Abfrage bei dem Patienten durchgeführt, die zu sinnvollen Maßnahmen führte. Bei anderen Diensten wurde der sich unwohl fühlende Patient jedoch nicht ernst genommen und dessen Anliegen ohne weitere Maßnahmen vom Tisch gewischt. In einem Fall geriet der Hilfebedüftige in eine Hotline-Schleife, wo er über eine Stunde warten musste, bis er sein Anliegen kommunizieren konnte. In diesen Fällen sind die Ansprüche an einen Hausnotruf in keiner Weise erfüllt worden.
Wichtig ist zusätzlich, dass die Geräte bei der Installation durch den Anbieter in allen Bereichen der Wohnung/des Hauses oder des Gartens getestet werden – im Beisein des potenziell Hilfebedürftigen. Denn alle Probleme und Eventualitäten müssen im Vorhinein bedacht werden. Hier schnitten die Dienste gut ab, weil jeder Dienst Fachleute zur Installation des Notrufes vorbei schickten. Die Fehler, die festgestellt wurden, waren erstens im Bereich der Software des Empfangsgerätes und zweitens in der mangelhaften qualitativen Besetzung der Notfallzentrale angesiedelt.
Hier sollten unbedingt Fragen gestellt werden! Außerdem sollten die Geräte ein Akku gegen Stromausfall haben, der mindestens zwanzig Stunden hält. Auch sollte das Gerät eine Reichweite von 50 Metern um den Port herum haben.

Kosten
Die Kosten für den Hausnotruf liegen zwischen 10 und 40 Euro. Der Basistarif beträgt im Schnitt 20 Euro. Es gibt eine Einrichtungsgebühr, die zwischen 11 und 26 Euro beträgt. Zusätzliche Leistungen wie mehrere Leitungen oder die Hinterlegung eines Schlüssels und von Zusatzinformationen in der Zentrale kosten zusätzlich, so dass ein Monatsbetrag von 40 Euro entstehen kann.

Übernimmt die Pflegekasse die Kosten?

Wenn keine anderen Verwandten im Haus des Pflegebedürftigen wohnen, dann erstattet die Pflegekasse die Kosten für den Hausnotruf in bestimmter Höhe. Es sind pauschal 18,36 Euro vorgesehen, die faktischen Kosten betragen zwischen 28 und 49 Euro – je nach Anbieter. Die Krankenkasse zahlt jedoch nichts.  Die Pflegekasse zahlt auf Antrag bis zu 18,36€ Bei anderen Kostenträgern (Grundsicherung/Sozialamt, Berufgenossenschaften/Versicherungen) gibt es die Möglichkeit, den vollen Kostensatz (Leistungspaket) erstattet zu bekommen. Hierbei kommt es auf das Verhandlungsgeschick beziehungsweise die konkreten Vertragsmodalitäten an. Die Pflegekasse selber zahlt ab Pflegestufe 1 den vorstehend genannten Pauschalbetrag.

Eine Checkliste
Es gibt einige Fragen, die man beantworten sollte, wenn man die Möglichkeit der Installation eines Hausnotrufs in Betracht zieht:
  1. Bin ich oder der Betroffene die überwiegende Zeit allein zuhause?
  2. Gibt es gesundheitliche Vorbelastungen, die ein schnelles Eingreifen erforderlich machen (Asthma, Herzbeschwerden, Epilepsie, Osteoporose…)?
  3. Gibt es bereits Erfahrungen mit Stürzen oder Verletzungen, die eine Verunsicherung bewirkt haben?
  4. Gibt es beim Hilfebedürftigen Einschränkungen in der Wahrnehmung (Hören, Sehen)?
  5. Sind Verwandte und Bekannte, obwohl ortsnah, häufig selber unterwegs?
Man sollte die schwerwiegenden Argumente abwägen und in den Zusammenhang mit der gewünschten Lebensform stellen. Dann ist eine individuelle und optimale Lösung mit dem jeweiligen Dienst erreichbar.

Fazit:
Der Hausnotruf verhilft vielen Senioren zu einem Leben in mehr Freiheit, indem sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Dazu trägt das System zur aktiven Kostensenkung im Gesundheits- und Pflegewesen bei, da die Intervalle regelmäßiger ambulanter Betreuung gesenkt werden können. Außerdem können pflegende Angehörige entlastet werden, indem sie zum Beispiel in den Urlaub fahren und sicher sein können, dass die bedürftige Person im Krisenfall versorgt ist. Das System sollte, sofern nicht regelmäßig in Anspruch genommen, jedoch in bestimmten Abständen getestet werden. Dazu ist es wünschenswert, dass die hilfesuchende Person die Abläufe bzw. die Helfer im konkreten Notfall persönlich kennen lernt. So wird ein Vertrauen geschaffen, das im Bedarfsfall besonders hilfreich sein kann. 

Weblinks:
WDR - Testbericht zum Hausnotruf

Initiative Hausnotruf

ASB Hausnotruf NRW
 

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