Die Schweinegrippe – Echte Gefahr oder Panikmache? Die Globalisierung der Gesellschaft, der zunehmende Reiseverkehr und der immer intensivere wirtschaftlich-gesellschaftliche Austausch führen dazu, dass sich auch Viren schnell über den Globus verteilen können. Die Krankheiten SARS in China, der Rinderwahn BSE (Kreuzfeldt-Jakob-Krankheit) und die Vogelgrippe sind Beispiele für Pandemien mit Folgen für viele Weltregionen. Allerdings war die Angst vor dem Virus in den genannten Fällen weit stärker als der Einfluss der Viren selber. Seit Mitte 2009 ist die Schweinegrippe in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der globalen Öffentlichkeit geraten. Die Schweinegrippe ist eine akut verlaufende Infektionskrankheit der Atemwege, die ursprünglich bei Hausschweinen auftrat, aber auch auf den Menschen übertragen wurde. Sie ist ein neuartiger Virus (Influenza A/ H1N1), der einen Mix aus Erregern darstellt. Einerseits weist er eine weit größere Verbreitung in Westeuropa als die vorstehend genannten Erreger auf, aber seine Wirkung erweist sich vom Verlauf her in den meisten Fällen als harmlos wie eine normale Grippe. Dennoch stellen sich Menschen die Frage, ob sie sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen sollen oder welche Risiken sie vermeiden sollten, um eine solche Grippe gar nicht erst zu bekommen. Im Folgenden werden einige wesentliche Fakten zur Schweinegrippe dargestellt und Fragen zu diesem Thema beantwortet. Dazu gibt es Tipps, wo sie sich weitergehend informieren können.
Eine Chronologie der Ereignisse Während einer Grippewelle im April 2009 in Mexiko wurde der Virus H1N1 festgestellt. Das eigentlich Besondere an der als Schweinegrippe bekannt gewordenen speziellen Variante des H1N1 ist, dass sie in dieser Form bisher beim Menschen nicht beobachtet wurde. Da die Krankheit sich schnell auch auf die USA ausweitete und sogar zu Todesopfern führte, wurde sie im Juni 2009 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Pandemie eingestuft. Berichte über Schulschließungen, die Zunahme an Ansteckungen und sogar das Bekanntwerden von Todesfällen sorgen inzwischen in vielen Ländern weltweit für Beunruhigung und Verwirrung. In Deutschland trat der Virus zuerst Ende April 2009 in Erscheinung. Bis Mitte Oktober 2009 sind hier ca. 25000 Menschen vom Virus betroffen. In den USA hat Präsident Barack Obama am 24. Oktober den Notstand ausgerufen. Dadurch sollen die Vorsorgemaßnahmen im Gesundheitswesen erleichtert werden. Denn in den USA sind bereits mehr als tausend Menschen an Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Virus gestorben (was aber auch auf deren defizitäres Gesundheitssystem mit zurückzuführen ist). In Deutschland beginnen ab dem 26. Oktober 2009 die Impfungen – zunächst bei besonderen Risikogruppen.
Wie gefährlich ist der Schweinegrippevirus wirklich? Der Schweinegrippevirus weist bis dato primär unangenehme Dimensionen auf. Denn er verbreitet sich schneller als die bekannten Pandemien der letzten Jahre. Aber glücklicherweise ist sein Verlauf für den Menschen ohne Vorbelastungen zumeist harmlos. Zu einem großen Problem wird der Virus dann, wenn er sich weiter schnell verbreitet und sein Verlauf gefährlicher wird. Dies ist dann möglich, wenn der Virus zu einer neuen gefährlichen Variante mutiert, die die bekannten Medikamente unwirksam macht bzw. das Immunsystem des Menschen stärker schwächt als der bis dahin bekannte Virus. Dennoch gibt es Risikogruppen, die einen besonderen Schutz benötigen – weil sie (1) aufgrund ihrer Rolle einer besonderen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind oder weil sie (2) aufgrund körperlicher Vorbelastungen weniger Widerstandskräfte zur Verfügung haben als Menschen mit normalen Voraussetzungen.
(1)   Zu dieser Gruppe zählt medizinisches Personal (zum Beispiel Ärzte, Krankenschwestern, ...) mit Patientenkontakt und Personen, die im Bereich der Wohlfahrtspflege tätig sind, aber auch Menschen, die aufgrund ihrer öffentlichen Aufgabe sehr oft in Umfeldern tätig sind, die Virenträger enthalten (Bahnschaffner…) (2)   Zu den Risikogruppen zählen Säuglinge und Kleinkinder, bei denen die Schweinegrippe schwerer verläuft als bei älteren Menschen, aber auch Schwangere, bei denen die Gefahr einer Fehlgeburt im zweiten und letzten Drittel der Schwangerschaft nachweislich ansteigt. Aber es gibt auch Personen mit besonderen gesundheitlichen Defiziten, die besonders vorsichtig sein sollten. Dies betrifft zu allererst Menschen mit eingeschränkter Lungenfunktion (z. B. Asthma, Tuberkulose). Denn die Influenza kann mit einer gefährlichen Atemwegsinfektion einher gehen. Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Problemen sollten ebenso besondere individuelle Vorkehrungen mit ihrem Arzt besprechen wie Menschen mit einer das Immunsystem schwächenden Diabetes oder stark Übergewichtige. Dasselbe gilt für Menschen mit chronischen Krankheiten, die ihrer Natur nach das Immunsystem schwächen wie Aids oder Leukämie.
Senioren und die Schweinegrippe Es gibt wissenschaftlich aber nur teilweise gesicherte Hinweise darauf, dass Senioren überdurchschnittlich resistent gegen die Schweinegrippe sind. Dies hängt mit dem hohen Resistenzaufbau während der Lebenszeit zusammen. Allerdings gilt dies nur für Senioren ohne die vorstehend genannten Vorbelastungen.
Woran kann man die Schweinegrippe sicher erkennen? Es ist nicht leicht, eine Schweinegrippe von einer herkömmlichen saisonalen oder Sommergrippe zu unterscheiden. Es gibt jedoch einige Indikatoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Schweinegrippe im Vergleich zu den herkömmlichen Grippearten hervorheben können.
Da wäre zunächst einmal der Zeitpunkt, an dem Grippesymptome auftreten. Jede Influenza, die außerhalb der natürlichen Grippesaison (Januar bis März) auftritt, ist verdächtig, eine Schweinegrippe zu sein. Zu den Anzeichen einer allgemeinen Influenza zählen unter anderem Müdigkeit, Fieber, Kopf-  und Gliederschmerzen sowie Husten und Halsschmerzen. Der rapide Anstieg der Körpertemperatur auf 38-39 Grad Celsius ist ein weiteres Symptom für eine allgemeine Influenza. Es können Magen-Darm-Beschwerden dazu kommen. Sollten jedoch Atemprobleme auftreten, dann ist es höchste Zeit einen Arzt aufzusuchen. Im Verdachtsfalle sollte auf alle Fälle ein Labortest beim Arzt durchgeführt werden, da diese Methode der einzige Weg ist, zweifelsfrei die Diagnose zu stellen. Was tue ich in einem konkreten Verdachtsfalle? Sollten bei mir persönlich Symptome von Erschöpfung und Erkältungserscheinungen auftreten, die die den Verdacht einer Influenza rechtfertigen, dann sollte ich den Arzt informieren und möglichst einen Haustermin mit diesem ausmachen. So verhindere ich die Ansteckung anderer Patienten und meide den Ort, wo ich mich selber potenziell anstecken kann. Als Erstmaßnahmen raten Ärzte, größere körperliche Anstrengungen zu meiden und viel zu trinken sowie regelmäßig Fieber zu messen. Des Weiteren sollte man vorm Erhalten diagnostischer Klarheit der Kontakt mit seiner Umgebung minimiert werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Zuhause bleiben ist dabei ein verantwortungsvolles Verhalten, das jeder Arbeitgeber sicher unterstützen wird!
Wer jedoch in die Arztpraxis fährt, sollte eine Atemmaske tragen und ein Taxi benutzen. Wer hingegen zur einer der vorstehend genannten Risikogruppen zählt, sollte schon präventiv mit seinem Arzt Maßnahmen gegen die Grippe treffen. Derjenige, der als Unbelasteter dennoch Symptome wie Atemnot, starken Hustenauswurf, Schmerzen im Brustkorb und/oder Kreislaufstörungen wahrnimmt, könnte von einer schwer verlaufenden Schweinegrippe (virale Pneumonie) betroffen sein. Dann sind schnelle Maßnahmen erforderlich!
Der Arzt veranlasst im Verdachtsfalle, bei der Bestätigung oder Negation des Verdachts die Benachrichtigung des Gesundheitsamtes.
Ansteckungspotenziale Es gibt viele Übertragungskanäle für den Virus. Der Schweinegrippevirus wird im Prinzip genauso übertragen wie die normale Wintergrippe. Zwei Übertragungsarten sind prinzipiell zu unterscheiden:
(1) Die Tröpfcheninfektion kommt durch Niesen oder Husten zustande. Beim Husten einer Person sind Menschen im Abstand von nicht weiter als zwei Metern prinzipiell gefährdet, einen Virus aufzufangen. Beim Niesen und Husten hinterlässt der Virusträger einen feinen Nebel, der auch Tröpfchenkern genannt wird. Dieser kann mehrere Minuten an der Stelle bleiben, wo eine Person gehustet oder geniest hat. Bei der Tröpfcheninfektion stellen Körperflüssigkeiten das Übertragungsmedium dar. Nicht nur in den Sekreten der Atemwege finden sich Viren, sondern auch im Speichel oder Tränenflüssigkeit. In geschlossenen Räumen können sich Viren stundenlang halten.
(2)Die Schmierinfektion bedient sich der Hände. Durch Händedruck, das Berühren von Türklinken, Haltegriffen in der U-Bahn oder von Wasserhähnen können Viren übertragen werden. Denn diese halten sich mehrere Stunden lang auf Oberflächen.
Die Schwachstelle, durch die Viruspartikel eindringen können, liegt im Bereich der Schleimhäute der Augen und Atemwege, denn die normale Haut widersteht den Angriffen der Viren. Die Körperoberfläche als solche ist also geschützt. Da wir aber mit den Händen oft die Sinnesorgane berühren, infizieren wir uns über Außenkontakte wie das Berühren bestimmter Oberflächen.
Die Ansteckungsgefahr bleibt eine Zeit lang gegeben. Erwachsene bleiben im Schnitt bis zu zehn Tage infektiös, Kinder bis zu drei Wochen. Wie lange die Erreger überleben, hängt von ihrer Umwelt ab. In kühlen, feuchten und dunklen Umgebungen können sich Viren lange halten. Hitze, Sonnenlicht und Trockenheit sind dagegen Feinde der Viren. Deshalb gilt die Faustregel: Persönliche Gegenstände des Alltags sollten trocken gehalten oder gemacht werden, um dem Virus seinen Nährboden zu nehmen.
Wichtige Hygienemaßnahmen Gegen die Tröpfcheninfektion hilft vor allem eine Hygienemaske, die in der Apotheke zu erhalten ist. Allerdings sollte man hier auf Qualität achten, denn nur eine dreilagige Maske bietet wirksamen Schutz gegen das Einatmen virushaltiger Tröpfchen. Natürlich kann man nicht ständig eine Maske tragen. Aber unter bestimmten Umständen ist sie sinnvoll. Wenn man mit einem erkrankten Mitbewohner zusammen wohnt, sollte sie ebenso getragen werden wie wenn man aus beruflichen Gründen mit Risikogruppen in regelmäßigem Kontakt steht. Dasselbe gilt für den Fall, dass man selber der Träger des Virus ist. In diesem Fall sollte man eine Maske ohne Ausatemventil tragen!
Gegen die Schmierinfektion ist viel leichter vorzugehen. Das Wichtigste ist, sich regelmäßig nach dem Kontakt mit Fremdkörpern die Hände gründlich zu waschen. In der Regel reicht normale Seife, da sich die Viren meist in einem Feuchtigkeitsfilm auf der Oberfläche befinden. Die Fingerkuppen und Zwischenräume sind mit zu berücksichtigen. Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig gründlich mit Seife und Wasser und vergessen Sie dabei auch die Fingerkuppen und – Zwischenräume nicht. Insbesondere nach dem Toilettengang und vor jedem Essen sollten die Hände gewaschen werden. Ist berufsbedingt keine Waschgelegenheit erreichbar, können unter Umständen Desinfektionsmittel zur Händehygiene sinnvoll sein. Für Bus- oder Taxifahrer ist dies ein geeigneter Weg, um die Ansteckungsgefahren zu reduzieren. Schwieriger umzusetzen ist die Strategie, Menschenansammlungen zu meiden. Auch ist der Versuch, mit den Händen nicht die eigenen Schleimhäute an den sensiblen Organen zu berühren, unrealistisch. Gerade deshalb liegt im regelmäßigen Waschen der besondere Schutz. Dazu ist es wichtig, Räume regelmäßig und konsequent zu lüften. Dies trifft gerade auch für Räume zu, in denen Gruppenveranstaltungen stattfinden.
Wer sollte sich auf jeden Fall impfen lassen? Allen Gerüchten über die Zuverlässigkeit des Impfstoffs zum Trotz stellt eine Impfung eine sinnvolle präventive Maßnahme dar. Den Diskussionen um eine Zwei-Klassen-Impfung sollte man dabei keine große Beachtung schenken, da ideologische Fragen nicht so wichtig sind, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Das Impfen wird von einem Großteil der Bundesbürger abgelehnt, die die Diskussionen um die Schweinegrippe meist als Panikmache abtun. Gerade Leute mit Risikohintergrund sollten jedoch auf Nummer sicher gehen. Denn die Impfung hinterlässt nur selten Nebenwirkungen und diese sind beherrschbar.
Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Liste aufgestellt, die darstellt, welche Zielgruppe sich in welcher Reihenfolge impfen lassen sollte.
- Schwangere Frauen und Menschen mit chronischen Krankheiten oder Fettleibigkeit
- Neugeborene über 6 Monaten mit mindestens einer schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung
- Gesunde Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren
- Gesunde Kinder
- Gesunde Erwachsene zwischen 50 und 64 Jahren
- Gesunde Erwachsene über 65 Jahren
Der deutsche Pandemieplan beginnt am 26.10. mit der Impfung des Gesundheitspersonals.
Die Abwehrmittel Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper. Diese Medikamente müssen jedoch rechtzeitig eingenommen werden, sinnvollerweise innerhalb von 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome, am besten jedoch innerhalb der ersten 12 Stunden danach. Für den gesunden Menschen ist das Risiko eines Verlaufs mit Komplikationen eher gering. Es ist nicht geraten, mit homöopathischen Mitteln zu experimentieren, denn es gilt in Fachkreisen als sicher, dass nur Tamiflu und Relenza wirklich gegen den Schweinegrippevirus wirken.
Der wichtige Faktor Psychologie Mit einem Virus verbinden wir Bilder vom schwarzen Tod, der Pest, von unsichtbaren, aber tödlichen Gefahren. Das heißt: Die Ungewissheit des Verlaufes einer Pandemie kann Panik schüren. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge Verschwörungstheorien, in denen behauptet wird, dass der Virus harmlos sei und die Pharma-Industrie durch Mittel wie Tamiflu nur Milliarden verdienen wolle. Es ist wichtig, hier nüchtern zu bleiben. Da die Meisten von uns keine Profis sind, die diese Zusammenhänge wirklich bewerten können, bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die wesentlichen Vorsichtsmaßnahmen zu konzentrieren und Weltuntergangsszenarien nicht weiter zu verfolgen. Fazit Die Schweinegrippe sollte zu einer gewissen Vorsicht im hygienischen Bereich führen, nicht aber zum Rückzug aus dem normalen Alltag. Denn die Angst senkt die Lebensqualität meist stärker als es die Ausprägungen dieser Grippeform tun könnten. Aber: Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen. Aber solange der herkömmliche Schweinegrippevirus nicht mutiert, reicht es, die vorstehend dargestellten Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Informationen des bayerischen Gesundheitsministeriums
Informationsplattform des Bundes zur Schweinegrippe
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