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Fataler Trend zum Zweitgelenk Auch wenn es schon ein bisschen knarrt im Gebälk – Original bleibt Original. Doch der Trend geht zum künstlichen Zweitgelenk.
Drei Monate musste der energiegeladene Weltstar Udo Jürgens (75) sich eine Auszeit nehmen. Der Grund: der gertenschlanke Sänger bekam ein neues Hüftgelenk. Die Zahlen sind bedrückend. Mehr als die Hälfte aller Menschen über 65 Jahre leidet an Arthrose. Das bedeutet, dass sich die Knorpel in den Gelenken zunehmend abbauen, was bei den Betroffenen oft zu mehr oder weniger schlimmen Schmerzen führt. Insbesondere wenn Hüfte und Knie betroffen sind, versprechen sich viele Patienten Abhilfe durch ein neues Gelenk. Im vergangenen Jahr (2009) erhielten in Deutschland rund 209 000 Menschen ein neues Hüftgelenk und 175 000 ein Implantat im Knie. Hinzukommen noch Operationen der Fingergelenke.
Trend geht zur Operation Manche Experten verfolgen die seit Jahren steigenden Operationszahlen jedoch mit Skepsis. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) führt den wachsenden Trend zum Implantat zum einen auf die stetig steigende Lebenserwartung der Menschen zurück. Zum anderen ermöglichen moderne Operationsmethoden heute Eingriffe etwa bei Patienten mit angeborenen Gelenkschäden, die früher nicht möglich waren.
Versorgungsatlas soll Aufschluss geben Allerdings steht auch immer wieder die Frage - oder besser: der Vorwurf - im Raum, ob diese Entwicklung nicht zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, dass unnötige Operationen durchgeführt werden. Kritisiert wird zum Beispiel, dass immer wieder auch Patienten operiert werden, bei denen mehr Bewegung und eine gesündere Lebensweise zumindest vorläufig einen solchen Eingriff hätten verhindern können. Daher will die DGOU zusammen mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) nun einen Versorgungsatlas erstellen. Damit soll ermittelt werden, wie oft in verschiedenen Regionen bestimmte Knochen- und Gelenkoperationen vorkommen.
Schweden ist Vorbild Außerdem schlägt die Gesellschaft vor, dass ein Register für Gelenkimplantate geführt wird. In Schweden führte dieses sogenannte Endoprothesenregister dazu, dass nur noch halb so viele Nachbehandlungen bei künstlichen Hüftgelenken nötig waren. Dadurch lassen sich Leid und Schmerzen ersparen und zudem Kosten senken: Auf deutsche Verhältnisse übertragen, könnte ein solches Register ein Einsparpotenzial von mehr als 40 Millionen Euro haben.
Kampf gegen Artrhose Angemahnt wird auch mehr Forschung, vor allem zur Entstehung von Arthrose. Im vergangenen Jahr haben zum Beispiel Forscher um Thomas Pap, den Direktor des Instituts für Experimentelle Muskuloskelettale Medizin an der Universität Münster, nachgewiesen, dass ein bestimmtes Molekül namens Syndecan-4 zu Knorpelschäden führt. Freigesetzt wird es nach einer Schädigung des Gelenks. Injiziert man nun Mäusen regelmäßig einen gegen dieses Molekül gerichteten Antikörper, wurde der Knorpelabbau gestoppt. Es entwickelte sich keine Arthrose, das Gelenk blieb heil.
Natürliches Gelenk reparieren Daher fordern Rheumatologen wie Pap, nach neuen Wegen zu suchen, um das natürliche Gelenk zu reparieren, anstatt es lediglich durch ein künstliches zu ersetzen. Dazu müssen allerdings Experten verschiedener Fachbereiche zusammenarbeiten - ein nicht immer einfaches Unterfangen.
Quelle: Stuttgarter Zeitung online
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Alternativen abchecken Das, was die kritischen Ärzte derzeit ins Visier nehmen ist für Dr. Michael Eisenmann, Apotheker und Buchautor, schon lange eine Diskussion in seiner Apotheke. In seinem Buch „Fit in der Kiste“, zu bestellen über bio-apo.de erzählt er aus seinen Erfahrungen. Sein Credo: eine Operation ist die allerletzte Möglichkeit. Zuvor sollte man versuchen seine Gelenkbeschwerden anders in den Griff bekommen.
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Es lohnt sich, zu informieren Die Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises, das erlebt er tagtäglich in seinem Apothekeralltag, nehmen stark zu. Quälende Schmerzen machen die Patienten matt. In dieser Situation stimmt man einer Heilsbringenden Operation gerne und schnell zu. Doch es lohnt sich, so Eisenmann, Alternativen auszuprobieren.
Gezielte Bewegung Jeder Mensch ist anders, jede Erkrankung individuell und jeder Patient reagiert anders. Also ist jede Methode ein Versuch wert. Eigeninitiative ist gefragt. Und die fängt bei einem kontrollierten Körpergewicht an. Konsequente Physiotherapie, Aqua-Jogging, vorsichtiges Radfahren und zum Beispiel Knorpelaufbauende Präparate wie die der Grünlippenmuschel, mit dem Bindegewebe und Knorpel wieder aufgebaut werden.
Wenn wirklich gar nichts mehr geht Die medizinische technische Entwicklung ist in den vergangenen Jahren enorm vorangekommen. Die Operationsmethoden sind filigraner geworden, an den Prothesen wird ständig weiterentwickelt und neue verträglichere Materialien verarbeitet. Dennoch, wer von einer neuen Methode, einem neuen Supergelenk hört, das 15 oder 20 Jahre hält, bevor es ausgetauscht wird, sollte skeptisch werden. Die Jahresangaben sind Theorie, wenn die Methode neu ist, kann man nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen.
Minimal invasiv oder nicht? In die Diskussion geraten auch die Operationsmethoden. Der Trend in den letzten Jahren ging zu kleinen Schnitten. Knopflochchirurgie geisterte in den Köpfen der Patienten herum. Doch diese minimal-invasiven Methoden mit kleinen Schnitten sind nicht ohne Nachteile. Bei kleinen Schnitten wird zuviel Muskel- und Nervengewebe beleidigt. Der ein oder andere Chirurg zieht einen etwas größeren Schnitt vor, um leichter die künstlichen Gelenke einsetzen zu können und dabei das Gewebe zu schonen. Das heißt, auch darüber muss bei einer Operation gesprochen werden.
Grundsätzliches zur Operation Grundsätzlich unterscheidet man Total- und Teilendoprothesen. Bei der Totalendoprothese (in der medizinischen Fachsprache kurz TEP genannt) wird das gesamte Gelenk ersetzt; dies ist mit Abstand die häufigste Form der Endoprothesenversorgung. Ist aber nur ein gewisser Teil eines Gelenks zerstört, kann auch eine Teilendoprothese eingesetzt werden, die nur den beschädigten Part ersetzt.
Welches Material? Gerade die Materialforschung hat in den letzten Jahren ungeheure Fortschritte erzielt und bringt immer neue Materialien hervor, mit einer immer besseren Haltbarkeit, Stabilität und Passgenauigkeit der Prothesen – zum Wohle des Patienten.Bestanden in der Vergangenheit sämtliche Prothesen ausschließlich aus Metall, gibt es mittlerweile eine Fülle von Materialien, die teilweise auch miteinander kombiniert werden können. Hinzukommt noch, dass das Material beanspruchbar sein muss. Zum Beispiel sind bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm einzelne Zonen des Hüftgelenkes bis zu 225 Kilogramm pro Quadratzentimeter belastet. Pro zusätzlichem Pfund versechsfacht sich die Belastung.
Was müssen Sie vor der Entscheidung zu einer Gelenkersatz-Operation wissen? In der Praxis werden Sie beim ersten Vorgespräch bereits auf die wesentlichen Risiken hingewiesen. Die folgende Auflistung soll Ihnen im Vorfeld einer möglichen Hüftoperation eine erste Beschäftigung mit den Risiken und Aussichten eines künstlichen Hüftgelenkes geben.
1. Wann ist ein künstliches Gelenk notwendig? Bei einer Erkrankung der Gelenke, die auf konservative Behandlungen nicht mehr ausreichend anspricht und die entscheidend die Lebensqualität beeinträchtigt, kann die Operation mit einem Gelenksersatz sinnvoll sein. Das ist z. B. der Fall, wenn Sie zunehmend Schmerzmittel benötigen, wenn diese keine ausreichende Linderung verschaffen, Sie keine Schmerzmittel mehr vertragen, wenn die Gehfähigkeit abnimmt (Schmerzen beim Laufen,Verkürzung der Gehstrecke), wenn Sie wegen der Schmerzen Gehhilfen benötigen oder der Schlaf wegen der Schmerzen gestört ist.
2. Mit was ist nach einer Operation zu rechnen? Auch ohne gravierende Komplikation, wie zum Beispiel durch Infektion oder Materialversagen,wird sich ein künstliches Gelenk mit der Zeit lockern. Die Überlebenskurven verschiedener Gelenke lassen sich in sog. „Endoprothesenregistern“ ablesen. Ein Faktor ist sicher der Kunststoffabrieb bei Prothesen mit Pfannen aus Polyäthylen. Die Abriebpartikel wirken stimulierend auf spezielle Körperzellen, die auch den Knochen angreifen. Auch die mechanische Auslockerung durch hohe Beanspruchung wäre denkbar und würde die kürzere Prothesenstandzeit bei jüngeren Patienten erklären. Ein weiterer wesentlicher Faktor aber ist die biologische Reaktion des lebenden Knochens auf die veränderte mechanische Lasteinleitung in den Knochen. Während beim gesunden Gelenk die Last durch gerichtete Knochenbälkchen in die Knochenrinde des Oberschenkelknochens eingeleitet wird, verursacht eine Stielprothese einen „Kraftkurzschluss“ – die Last verläuft durch den Prothesenstiel und wird häufig erst im unteren Drittel des Prothesenstiels an den Knochen des Oberschenkels weitergegeben.
Wie werde ich wieder gehen können? Die Funktion eines künstlichen Gelenkes wird nie so gut sein, wie die des eigenen natürlichen Gelenkes es einmal war. Meistens wird dennoch eine hervorragende Leistungsfähigkeit zu erzielen sein. Man versucht, die Ergebnisqualität mit Punktesystemen, sog. „Scores“ zu messen. Dabei werden Alltagsbelastungen abgefragt und mit Punkten bewertet. Ein normales, gesundes Hüftgelenk weist z. B. im „Harris-Hip-Score“ (nach dem amerikanischen Hüftchirurgen W.Harris) einen Punktwert von 100 auf. Wer nach einer Hüftoperation schmerzfrei gehen kann, ohne zu hinken, keinen Stock mehr braucht, frei Treppensteigen, unbegrenzt Sitzen, Schuhe und Strümpfe selbst anziehen kann und eine Beweglichkeit (Beugen) über den rechten Winkel hat, wird an diese 100 Punkte herankommen.
Risiken der Operation Auf dem Weg zum Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes müssen gesunde Gewebeschichten durchtrennt und das natürliche Gelenk dargestellt werden. Minimal invasive Operationsverfahren versuchen nur, die Wundgröße klein zu halten und möglicht wenige Schäden auf dem Weg zum Gelenk zu verursachen, letztendlich unterscheiden sich nach einiger Zeit die Ergebnisse zwischen Standard-Zugang und minimal invasiver Chirurgie (MIS) nicht mehr.In jedem Fall muss das natürliche Hüftgelenk dargestellt und mit Haken offengehalten werden. Diese Prozedur birgt auch bei sachgemäßer Durchführung manche Risiken.Blutungen, Nervenverletzungen, Infektionen, Knochenbrüche, Thrombosen oder Embolien sollten auf jeden Fall in der Diskussion vor der Operation ein Thema sein.
Nach der Operation Auch wenn man naturgemäß vor der Operation selbst die größte Angst hat: Die Operation ist schmerzfrei. Erst nach Abklingen der Betäubung treten Schmerzen auf. Mit dem Narkosearzt sollten Sie auch das postoperative „Schmerzmanagement“ besprechen: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen nach der Operation zu lindern. Vorteilhaft ist einen persönlichen Fahrplan mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
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