Depression – was ist das? Und was kann man gegen sie tun?
Der Begriff der Depression stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "niederdrücken". In den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit kam die Depression unlängst durch den spektakulären, tragischen Freitod des deutschen Nationaltorhüters Robert Enke. Aber auch die Ökonomie kennt die Depression als eine Phase der Lähmung wirtschaftlicher Aktivität. Das Phänomen Depression umfasst viele psychische und physische Phänomene. Es gibt Vorurteile und Tabusierungen um den Begriff, aber auch viele Missverständnisse. Diese Tatsache ist gefährlich, erkranken in Deutschland doch schätzungsweise 10% aller Menschen einmal in ihrem Leben an einer schweren Depression. Nimmt man die leichteren klinischen Formen dazu wie beispielsweise die Dysthymia, sind es bereits 20%. Aufgrund dieser Tatsache stellen wir einige Fakten vor und beantworten einige Fragen. Dazu geben wir Tipps, an wen Sie sich in akuten Fällen wenden können.
- Was ist eine Depression? Welche Arten gibt es?
- Was sind Ursachen für eine Depression?
- Woran erkenne ich eine Depression? Diagnostische Hinweise (Leitfragen)
- Geht eine Depression wieder weg?
- Was kann man selber gegen milde Formen von Depressionen tun?
- Wann ist eine Depression fachärztlich zu behandeln?
- Sonderformen der Depression (Winterdepression, manische Depression)
- Wie kann ich depressive Menschen in meinem Umfeld unterstützen?
- Der Umgang mit der Altersdepression
- Akute Attacken von Depression – Suizidgefahren
- Vorbeugende Maßnahmen gegen die Depression
- Ein Erfahrungsbericht vom Umgang mit einem Depressiven
- Wo bekomme ich schnelle Hilfe?
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Was ist eine Depression? Welche Arten gibt es? Während man früher die Einteilung in endogene Depression (= von innen kommend, vererbt) und psychogene Depression (= ereignis- oder umstände abhängig) festlegte, sind moderne Bezeichnungen differenzierter. Sie legen sich nicht mehr auf Ursachen fest sondern beschreiben die Krankheit nach dem ICD-10 die Internationale Klassifikation psychischer Störungen. Für Nicht-Fachleute ist die traditionelle Einteilung jedoch sinnvoll. Denn in Bezug auf das Verständnis und die Behandlung einer Depressionskrankheit ist es von besonderer Bedeutung, ob die Krankheit durch eine physiologische Störung (meist im Bereich der Transmitterübertragung zwischen Nervenzellen im Gehirn) oder durch psychologische Bedingungsfaktoren ausgelöst wurde. Im ersten Fall ist eine permanente medikamentöse Behandlung von Nöten. Im Falle psychisch induzierter Depression ist eine Kombination aus medikamentöser und therapeutischer Behandlung angesagt. In diesem Falle könnte es sich um eine vorübergehende Form von Depression handeln, während körperlich bedingte Depressionen überwiegend dauerhafter Natur sind.
Woran erkenne ich eine Depression? Diagnostische Hinweise (Leitfragen) Depressionen sind sehr schwer zu erkennen. Denn sie sind anfangs kaum von natürlichen Stimmungstiefs und Erschöpfungszuständen zu unterscheiden. Außerdem sind Depressionen mit allerlei körperlichen Symptomatiken verbunden, die oft vor allem physiologische Ursachen vermuten lassen. Zu diesen körperlichen Beschwerden können unerklärliche Kopfschmerzen, Muskel- oder Rückenschmerzen gehören. Selbst erfahrene Internisten tappen deshalb vielfach im Dunkeln, bevor sie auf die psychischen Ursachen dieser Schmerzen kommen. Deshalb dauert es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Schnitt 11 Monate, bis eine Depression als solche erkannt wird. Von 340 Millionen weltweit an Depression leidenden Menschen bleiben drei Viertel ohne Behandlung. Es gibt jedoch auch "klassische" Symptomatiken, die durch eine Art Selbsttest überprüft werden können. Es ist normal, dass äußere Umstände wie ein Todesfall im näheren Umfeld, berufliche Niederlagen oder Beziehungsprobleme Phasen des Trauerns mit sich bringen. Sollten diese jedoch ungewöhnlich lange dauern, ist es sinnvoll, einen Spezialisten aufzusuchen. Sollte man den Eindruck haben, allgemein wenig emotional auf freudige, aber auch traurige Ereignisse zu reagieren und auch wenig auf Ermutigungen von Freunden anspringen zu können, dann könnte man an einer depressiven Verstimmung leiden. Wenn Antriebslosigkeit über lange Zeit anhält, Projekte verschoben und Ausreden durch eine langfristige Passivität verdeckt werden, auch dann sollten die Warnsignale schrillen. Wenn Konzentrationsschwächen feststellbar sind, der Schlaf nicht mehr ruhig und konstant verläuft und der Tag so verläuft, dass man sich abends besser fühlt als morgens, auch dann könnte eine depressive Symptomatik vorliegen. Merkt man einen Rückzug, dass man keine freiwilligen verpflichtenden Termine eingehen will und sich sozial isoliert, statt dessen die Dauerberieselung des Fernsehens sucht und stundenlang im Kreis grübelt, dann kann man von einer depressiven Phase sprechen. Immer wieder sollte man prüfen, wie lange diese Phase anhält. Weitere Anzeichen für eine Depression sind: Eine übertriebene Ängstlichkeit in eigentlich leicht lösbaren Situationen, Gereiztheit in Gesprächen, sexuelle Unlust, der Verlust an Disziplin, zum Beispiel Sport zu praktizieren, Todesgedanken, das notorische Infragestellen von persönlichen Zielen und Ambitionen, die einem normal eigentlich wichtig sind…
Sollten Gedanken konkret in Richtung Selbstmordhandeln gehen oder sollten bei Personen Selbstmordfantasien regelmäßig und sehr konkret auftauchen, dann sollte sofort mit dieser Person, aber auch mit Psychiatern gesprochen werden. Denn akute depressive Schübe können zu fatalen Kurzschlusshandlungen führen.
Geht eine Depression wieder weg? Vor allem psychische Formen von Depression, aber auch körperlich verursachte Depressionen verlaufen in der Regel in Schüben. Sie sind mal intensiver und mal schwächer ausgeprägt. In vielen Fällen gibt es jedoch eine einmalige Depression, die durch Umstände oder körperliche Belastungen verursacht wurde. Sind diese Faktoren behoben, dann ist auch die Depression besiegt.
In jedem Fall ist jedoch mit einem Facharzt oder Therapeuten der Verlauf zu besprechen. Die Art der Depression ist auch persönlichkeitsabhängig.
Was kann man selber gegen milde Formen von Depressionen tun? Gegen milde Formen der Depressionen hilft stimmungsanfälligen Menschen ein ausgewogener Lebensstil. Genügend Schlaf ist ebenso wichtig wie regelmäßiges Ausüben eines Sports oder das Erleben von Natur. Dazu kann man sich auch Genüsse gönnen, die "einem gut tun" – sei es ein schönes Konzert, ein gutes Essen oder eine sonstige unterhaltsame Zerstreuung.
Hängt man in trüben Gedanken fest, so hilft es ebenfalls, so viel Gemeinschaft wie möglich zu suchen. Denn diese lenkt ab und lässt die eigenen Sorgen meist kleiner erscheinen. Sollte es möglich sein, dann ist ein Urlaub ebenso hilfreich wie der Besuch heller, ermutigender Orte in grauen Nebeltagen. Vor allem ist es wichtig, nicht stumm zu bleiben, sondern sich in seiner Gemütslage vertrauten Personen in wahrstem Sinne anzuvertrauen. Oft verschärft eine schambegründete Selbstisolation die Krise noch erheblich. Der Fall des Torwarts Enke hat gezeigt, dass diese weitverbreitete Krankheit oft noch gesellschaftlich als Tabu behandelt wird. Doch diese tückische Krankheit ist kein Selbstmitleid oder ein Mangel an Härte, sondern eine ernstzunehmende gesundheitliche Beschränkung. So sollte auch mit ihr umgegangen werden.
Wann ist eine Depression fachärztlich zu behandeln? Sollten sich Zustände von Deprimiertheit, Ziellosigkeit und Gefühlskälte über Wochen nicht bessern, dann ist es unbedingt erforderlich, einen Facharzt aufzusuchen. Dabei ist es jedoch sinnvoll, sich auch körperlich vom Hausarzt untersuchen zu lassen. Wenn dieser bestimmte körperliche Indikationen ausgeschlossen hat, dann ist leichter auf eine Gemütsursache der Niedergeschlagenheit zu schließen. Außerdem dürfte der Hausarzt auch geeignete Fachärzte in dem Bereich vermitteln können. Der Facharzt kann dann schnell einschätzen, ob eine vorübergehende oder langfristige Behandlung einzuleiten und durchzuführen ist.
Sonderformen der Depression (Winterdepression, manische Depression, Altersdepression) Viele Menschen leiden an der Winterdepression, die meist durch zu wenig Tageslicht verursacht wird, da sich der Hirnstoffwechsel verändert. Begleitet werden solche Winterdepressionen häufig von Heißhungerattacken und von einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. In Deutschland leiden circa 800.000 Menschen unter einer Winterdepression. Ulrich Hegerl, Leiter des Kompetenznetzwerks Depression in München, empfiehlt die Durchführung einer Lichttherapie. Der Depressive wird hierbei in der Regel mehrere Wochen lang täglich von einem speziellen Gerät beleuchtet. Aber ein Solarium ist wegen des hohen UV-Anteils nicht sinnvoll. Aber auch frische Luft und natürliches Tageslicht sind so oft wie möglich zu suchen. Die Zufuhr von Vitamin B12 hilft in der Regel auch im Kampf gegen die Depression. Auch das Essen von Bananen gefällt nicht nur Affen: Denn diese enthalten die Hormonstoffe Serotonin und Norepinephrine, die für das positive Denken mitverantwortlich sind. 
 Die manische Depression (auch bipolare Störung) genannt gehört zu den Affektstörungen. Betroffene leiden unter episodisch auftretenden Stimmungsschwankungen, die willentlich nicht kontrollierbar sind. Extreme Antriebsschübe bzw. –schwächen wechseln ab – der Betroffene ist seinem Befinden hilflos ausgesetzt. Die depressive Phase zeichnet sich wie die normale Depression durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Suizidgefühle und Antriebslosigkeit aus. In der manischen Phase gerät der Betroffene in eine Art Euphorie, die ihn von der Realität weit entfernt. Ältere Menschen geraten oft in Lebenslagen, in denen sie sich großen körperlichen und seelischen Herausforderungen stellen müssen. Der Verlust von Ehepartner und langjährigen Freunden, die nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit oder sowie Beschränkungen in der Beweglichkeit sind nur einige der möglichen Ursachen für das Auftreten von Altersdepression. Diese Art der Depression ist aber nicht weiter verbreitet als in anderen Altersgruppen und impliziert ähnliche körperliche und seelische Symptome. In Bezug auf die Behandlung ist zu sagen, dass medikamentöse Formen schwieriger sind als bei jungen Leuten, da viele ältere Menschen schon viele Medikamente einnehmen und Wechselwirkungen berücksichtigen müssen. Deshalb ist es vor allem wichtig, dass Senioren versuchen, durch Aktivitäten und Gemeinschaft neuen Lebensmut und neue Perspektiven aufzubauen. Oft ist aber eine Aufarbeitung des eigenen Lebens durch eine aktive Biographiearbeit oder durch das Niederschreiben (und damit Bewältigen) eigener Erlebnisse sinnvoll.
Ein Erfahrungsbericht vom Umgang mit einem Depressiven Ich habe mit einem depressiven Menschen zusammen gearbeitet, der eine physiologisch begründete Depression hat. Ich habe ihn in der gemeinsamen Ausbildung kennen gelernt, wo er zwar zurück gezogen lebte, aber sonst auf der Höhe war. Später erfuhr ich von seinem Schicksal, dass er alle zwei Jahre für circa drei Monate in die Klinik muss, weil die Depression in diesem Intervall in Schüben auftritt. Ich erklärte mich bereit, ihn bei mir in einer größeren Wohnung wohnen zu lassen, da ich ihn in seiner stabilen Lage kannte.
Die ersten Monate ging es auch gut mit ihm. Er war ohne Arbeit, frühverrentet, aber er interessierte sich für viele Dinge und engagierte sich für alte Menschen, da er musikalisch sehr begabt ist. Nach einigen Monaten aber kam er kaum aus dem Bett, er aß mal sehr viel, mal gar nichts und verbrachte fast den ganzen Tag vor dem Fernseher. Da ich die Symptomatik nicht kannte, brachte ich seinen Lebensstil ziemlich harsch zur Sprache. Ich verstieg mich darin, ihn als faul und träge anzusehen und zog mich selber aus der Beziehung zurück, obwohl er mich gebraucht hätte. Glücklicherweise kann der Betroffene sich selber gut einschätzen, so dass er in die Klinik ging, als er merkte, dass seine Medikamente neu eingestellt werden mussten. Er machte mir keinen Vorwurf, als ich über mein eigenes Verhalten ihm gegenüber betroffen war. Es fiel ihm schwer, sich mir gegenüber zu outen, aber es wäre richtig gewesen. Für mich kann ich sagen, dass ich mir das Urteilen über oder das Verurteilen von Leuten abgewöhnen möchte, weil man die Gründe für bestimmte Verhaltensweisen einfach kaum nachvollziehen kann. Es ist total unfair und unangemessen, einen an einer Depression leidenden Menschen mit normalen Kategorien zu beurteilen.
Ein Erfahrungsbericht einer depressiven Frau Anke ist 32 Jahre alt. Sie gilt in ihrem Umfeld als Powerfrau, die immer den Takt vorgibt. Sie kann sich nicht in einer anderen Rolle vorstellen. In ihrer Firma leitete sie eine Abteilung und mit ihrem Freund fuhr sie fast jedes Wochenende zum Radfahren oder Bergsteigen in die Berge. Doch vor 9 Monaten fiel ihr plötzlich das Aufstehen schwer. Anke glaubt erst an einen Infekt oder an einen kurzfristigen Erschöpfungszustand. Doch nach einigen Wochen kamen auch die Zweifel an ihrem Leben, die sich in Form intensiven Grübelns äußerten. Die sonst so selbstsichere Frau fragte sich: "Kann ich meine Abteilung überhaupt leiten? Bin ich für meinen Freund gut genug?" Sowohl der Freund als auch die Kollegen in der Firma konnten nicht damit umgehen, dass sich Ankes Verhalten stark veränderte. Sie machten sich selber Vorwürfe. Erst nach Monaten ließ sich Anke überreden, zu einem Psychiater zu gehen. Dieser verschrieb leichte Antidepressiva, die ihr auch etwas halfen. Aber es war klar: Anke musste einmal aus ihrem Umfeld heraus. So ging sie für 12 Wochen in eine Klinik, die Fälle von Burnout von Berufstätigen behandelt. Hier fand Anke heraus, dass sie sich zu viele Dinge aufgeladen hatte. Und dass sie getrieben war und Dinge tat, um Anerkennung zu bekommen. Das Aufarbeiten einiger ihrer Grundstrukturen und Motivationen war in der Klinik möglich. Anke hat ein wenig ihrer beruflichen Verantwortung abgegeben, ihr Freund liebt sie immer noch und Anke tut nur noch so viel, wie ihr gut tut. Ab und an spürt sie wieder Gefühle der Niedergeschlagenheit, aber sie kann damit gut umgehen. Es ist möglich, dass sie eine starke Episode von Depression hatte, die sie aber einiges lehrte. Anke ist mit ihrem Leben zufrieden und kann Menschen nur ermutigen, offen zu sein, wenn sie mit depressiven Schüben kämpfen. Wo bekomme ich schnelle Hilfe? Es gibt in jeder größeren Stadt ambulante Psychiatrien. Sind im eigenen Umfeld Fälle von Depression bekannt, dann sollte man eine Liste der relevanten Institutionen und Telefonnummern zur Hand haben. Glücklicherweise haben verschiedene Städte koordinierte Projekte. In München gibt es seit 2007 den zentralisierten Krisendienst Psychiatrie. Als Leitstelle dient das Atriumhaus, welches telefonische Beratungsdienste anbietet, akute Krisenbehandlungen durchführt, mobile Einsätze vor Ort durchführt und stationäre Behandlungen koordiniert.
Von großer Bedeutung ist auch die Telefonseelsorge. Diese ist deutschlandweit täglich 24 Stunden erreichbar unter 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222. (Der Anruf ist kostenfrei und die Vertraulichkeit des Gesprächs wird selbstverständlich gewahrt.)
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