Demenz als Alterskrankheit lesen

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Die Demenz als Alterskrankheit – Fakten und Möglichkeiten des Lebens mit Demenz.

Ernsthaften Studien zufolge verdoppelt sich die Zahl der Demenzkranken bis spätestens ins Jahr 2050. Für die Gesellschaft sind damit erhebliche soziale und finanzielle Kosten verbunden. Was aber ist die Demenz? Wie entsteht sie? Kann man sich vor demenziellen Prozessen proaktiv schützen? Diese Fragen werden im Folgen strukturiert aufgenommen. Dazu erhalten Sie Hinweise auf weitere Informationsquellen.



Was für ein Krankheitsbild weist die Demenz auf?
Zahlen und Fakten .
Welche Anzeichen lassen einen beginnenden demenziellen Prozess erahnen?
Verschiedene Arten von Demenz .
Maßnahmen zur Prävention.
Therapiemöglichkeiten
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Die Rolle der Angehörigen .
Spezielle Wohnformen.
Wie fühlen sich von der Krankheit Betroffene?
Ratschläge zum Umgang mit Demenzkranken
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Staatliche Hilfen für Patienten.
Neue Entwicklungen
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Was für ein Krankheitsbild weist die Demenz auf?
Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungen, die einen Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten bewirken. Diese als schleichender Prozess fortschreitende Erkrankung führt dazu, dass alltägliche Aktivitäten Schritt für Schritt nicht mehr eigenständig ausgeführt werden können. Aber auch Angstzustände und depressive Phasen treten durch die Demenz vermehrt auf.

Die Lebenserwartung Demenzkranker verringert sich erheblich. Dies ist dadurch zu erklären, dass Demenzkranke eigene körperliche und seelische Probleme nicht ausreichend wahrnehmen und darauf entsprechend reagieren können. Insbesondere bei  fortgeschrittener Demenz kommen meist Folgeerkrankungen dazu, wie z. B. Störungen in hormonellen Regelkreisläufen, starke Abmagerung aufgrund fehlerhafter Gewohnheiten bei der Nahrungsaufnahme sowie zunehmende Gebrechlichkeit als Ursache und Folge von Stürzen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer von der Wahrnehmung erster Symptome bis zum Tod wird mit 4,7 bis 8,1 Jahre für die Alzheimer-Demenz angegeben. Die vaskulare Demenz führt im Schnitt ein Jahr schneller zum Ableben.

Zahlen und Fakten
In Deutschland  sind im Jahre 2008 etwa 1,2 Millionen Menschen von der Demenz betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt der Prozentsatz der Betroffenen. Während  von den 65- bis 69-Jährigen ca. 5 % an einer Demenz leiden,  sind von den  80- bis 90-Jährigen Menschen fast ein Drittel aller Senioren betroffen. Bis zum Jahr 2050 wird mit einer Verdoppelung der Zahl der Demenzkranken gerechnet.



Welche Anzeichen lassen einen beginnenden demenziellen Prozess erahnen?

Zu den ersten Anzeichen einer beginnenden Demenz gehören erste geistige Defizite, wie Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten. Oft werden diese von den Betroffenen aber durch Stress (Burn-Out) oder "Schussligkeit" weg erklärt. Treten diese Probleme wahrnehmbar gehäuft auf, dann ist ein Arztbesuch dringend geraten. 

Der zunehmende Verlust der geistig-kognitiven Fähigkeiten wird zusätzlich dadurch erkennbar, dass Operationen wie Rechnen, das Verstehen logischer Zusammenhänge oder einfache Wahrnehmungsprozesse immer schwerer durchzuführen sind. Außenstehenden fallen auch regelmäßig auftretende Sprachstörungen auf. Je weiter die Demenz fortschreitet, desto weiter wird die Selbstständigkeit eingeschränkt, bis es im schweren Stadium zu völliger Pflegebedürftigkeit kommt.

Verschiedene Arten von Demenz
Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist mit rund 60 Prozent die Alzheimer-Demenz. Bei dieser Krankheit sterben in bestimmten Bereichen des Gehirns Zellen ab. Dieser Krankheit liegen Störungen des Gleichgewichts des Botenstoffs Glutamat in den Nervenzellen zugrunde. Leider ist die Alzheimer-Demenz stark durch erbliche Prädispositionen bedingt, was die Behandelbarkeit einschränkt.

Anders verhält es sich bei der vaskularen Demenz, die vor allem durch Herz- und Kreislaufbelastungen bedingt ist. Natürlich sind die Quellen dieser Demenz damit genauso behandelbar wie ihre Grundursachen. Die Maßnahmen zur Prävention sind im Grunde ernährungstechnisch ein "gesunder" Lebenswandel, das Vermeiden von Alkohol und Kettenrauchen. 



Maßnahmen zur Prävention
Zunächst einmal muss vorausgeschickt werden, dass eine vernünftige Diagnostik unerlässlich ist, um eine klare Strategie zur Bekämpfung der Krankheit entwickeln zu können. Die Diagnose sollte aus Kostengründen möglichst ambulant erfolgen. Eine wirkungsvolle Zusammenarbeit von Hausärzten, Fachärzten, Spezialambulanzen, Kliniken, Beratungs- und Hilfseinrichtungen ist hier unbedingt wünschenswert, denn die Demenz umfasst organische, neurologische und psychologische Sachverhalte, die einander bedingen und verstärken. Biologische Marker und spezielle Bildgebungsverfahren haben als Instrumente zur Diagnose an Bedeutung zugenommen. 

Für folgende Risikofaktoren von vaskularen Demenzen gibt es wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten: Bluthochdruck, Zigarettenrauchen, Alkoholmissbrauch,
 Vorhofflimmern/kardiale Emboliequellen, Diabetes sowie Herzfehler. Aus zahlreichen Studien geht hervor, dass sich Bluthochdruck im mittleren Lebensalter als ein bedeutsamer Risikofaktor für die spätere Entwicklung dieser Demenzart erwies. Der Gebrauch von blutdrucksenkenden Medikamenten reduziert dagegen den Ausbruch und die Verlaufsgeschwindigkeit einer Demenz.



Therapiemöglichkeiten
Die Demenz gilt als nicht heil-, aber behandelbar. Je nach Art und Verlaufsphase gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten.
medikamentöse Behandlungsformen
Es gibt bisher keine medikamentöse Behandlung, die die organischen Veränderungen im Gehirn eines Alzheimer-Kranken zuverlässig stoppen kann. In der frühen und mittleren Phase der Demenz kann diese jedoch gezielt verlangsamt werden. Das wichtigste Ziel der Therapie ist die Aufrechterhaltung der Alltagskompetenz und eine Herauszögerung der Pflegebedürftigkeit und Heimeinweisung. Durch die Einnahme von Medikamenten können Verhaltensänderungen beeinflusst werden, die nicht-kognitiver Natur sind. Hierzu zählen die Bekämpfung von Aggressivität, Depressivität, Schlafstörungen und Wahnvorstellungen. Die Medikamente kommen aus der Gruppe der Antidepressiva und Neuroleptika. Im Falle von leichten bis mittelschweren Krankheitszuständen werden die so genannten Cholinesterase-Hemmer eingesetzt. Sie unterstützen die Funktion der Nervenzellen. Ihre gezielte Einnahme in frühen und mittleren Stadien kann den Verlauf der Erkrankung verzögern und zur Besserung der Symptome führen.
Ist die Demenz weiter fortgeschritten, so werden Glutamat-Antagonisten eingesetzt. Sie sollen das Nervengewebe vor einer permanenten Überreizung schützen. Zusätzlich stärken Stoffe wie das Vitamin E oder Selegilin die neuronale Struktur im Kampf gegen aggressive chemische Substanzen.

Die nicht-medikamentöse Therapie
bei Demenzkrankheiten ist darauf ausgerichtet, durch geeignete Gestaltung des Lebensumfelds und eine gezielte Einbindung der Betroffenen einen möglichst hohen Grad an Selbständigkeit zu erhalten. Besondere Bedeutung hat der Einbezug der Angehörigen in die Behandlung. Denn nur sie haben die Vertrauensbasis, um eine richtige Balance zwischen Fordern und Unterstützen zu finden, um die vorhandenen Fähigkeiten zu nutzen, ohne bei den Betroffenen Frustration und Ablehnung  zu provozieren. Dazu gehören beispielsweise spezielles Gedächtnistraining sowie kreative sprachliche Übungsformen.



Die Rolle der Angehörigen
Angehörige brauchen selber Unterstützung im Prozess des Umgangs mit einer demenzkranken Person. Je nach individueller Nähe müssen sie die Belastungen durch die Erkrankung und den sich abzeichnenden Verlust eines nahen Menschen ertragen , was mit großen psychischen und emotionalen Anstrengungen verbunden ist. Andererseits stellen sie – wie oben bereits dargestellt - meist die wichtigsten Bezugspersonen für den Alzheimer-Kranken dar, was eine große Verantwortung mit sich bringt. Je besser sich nahe stehende Personen auf seine Bedürfnisse einstellen können, desto effektiver werden Fördermaßnahmen für den Demenzkranken sein. Die Angehörigen sind also fast zwangsläufig auch an der Behandlung beteiligt. Die Lebensqualität der Patienten sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss die Angehörigen in jedem Fall berücksichtigen. Das betrifft auch soziale, finanzielle und lebenspraktische Aspekte wie zum Beispiel die finanzielle Absicherung, die Gestaltung der Wohnung, die Organisation der Pflege und Betreuung und Vieles mehr. Die Bundesregierung hat ein Projekt zur Koordination von Patienten, Angehörigen und professionellen Helfern mit Namen Quadem ins Leben gerufen. (S. Linkliste).



Spezielle Wohnformen
Die besonderen Bedürfnisse der Demenzkranken erfordern spezifische Wohnformen. Denn oft führt die normale Pflege zu erheblichen Vernachlässigungen von Menschen mit besonderen emotionalen und psychischen Bedürfnissen. Soweit das möglich ist, sollten Demenzkranke in Ortsnähe zu Angehörigen wohnen. Ist dies nicht immer umsetzbar, so gibt es innovative Heimformen, die den krankheitsspezifischen Bedingungen entgegen kommen. Ein Beispiel wurde auf dem 81. Pflegestammtisch in München genannt. Das AWO-Seniorenzentrum Wolfratshausen, das sich ausschließlich auf demenziell erkrankte Menschen spezialisiert hat, wird in Fachkreisen als Vorbild und Modell angesehen. Eine spezielle Farbtherapie hilft dabei, die emotionalen Bedürfnisse der Senioren zu stillen. Denn Sehnsucht nach Licht und Farbe stellt eines der stärksten emotionalen Bedürfnisse des Menschen dar, gerade, wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen. Ziel der Farbtherapie ist es, einige Symptome der Demenz zu lindern. Im optimalen Falle können auf diese Weise Schmerzen und Fixierungen vermieden und das allgemeine Wohlbefinden gesteigert werden. Behandelbare Phänomene wie Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen, Hauterkrankungen, Ängste und Appetitlosigkeit  konnten so reduziert werden. Die Bauweise verhindert Spiegelungen auf Böden, die zusätzlich die Orientierung einschränken. Weiterhin ist es sinnvoll, dass Angehörige im AWO-Seniorenzentrum Wolfratshausen die Möglichkeit erhalten zu übernachten.

Wie fühlen sich Demenzkranke?

Von einer Demenz betroffene Menschen befinden sich oft in schwerer innerer Not. Wer sehr betrunken war kann vielleicht ermessen, was Orientierungslosigkeit bewirkt. Aber der Demenzkranke weiß nicht, dass die Probleme in seiner Wahrnehmung liegen, sondern er hält seine äußere Umwelt für fremdartig und beängstigend. Alzheimerinfo.de zeigt ein anschauliches Beispiel, damit sich Nicht-Betroffene die Probleme von Dementen vorstellen können:

Stellen Sie sich vor, man setzt Sie mutterseelenallein in einer chinesischen Kleinstadt aus, wo Sie weder die Sprache kennen noch irgendetwas lesen können. Überall stoßen Sie auf völlig unverständliche Gebräuche wie das Essen mit Stäbchen. Und was das Schlimmste ist: Ständig treffen Sie auf Menschen, die auf Sie einreden, dabei so tun, als ob sie Sie schon lange kennen würden und von Ihnen erwarten, dass Sie über sämtliche Dinge Bescheid wissen.

Wenn man weiß, dass Dementen die Orientierung fehlt oder dass sie sich sogar eigene Orientierungwelten schaffen (ich habe im Altenheim immer den Sohn einer dementen Frau gespielt, ohne sie zu täuschen), dann sollte man ihnen ihr Stabilitätskonzept nicht zerstören und sie in die echte Realität zurückholen wollen. Das funktioniert nicht. Einem fortgeschritten Dementen kann und muss man vor allem emotionale Geborgenheit verschaffen, jenseits aller kognitiven Fehlvorstellungen der Patienten. 



Ratschläge zum Umgang mit Demenzkranken

Wer die Ausprägungen der Demenz nicht kennt, neigt dazu, lieblos und ungeduldig mit den Betroffenen umzugehen. Dies ist der gänzlich falsche Weg. Denn dies kann die willigen, aber nicht mehr aufnahmefähigen Kranken zur Verzweiflung bringen. Der Schlüssel liegt darin, eine vernünftige Balance zwischen Klarheit in der Aussage und Fürsorglichkeit in der Art der Kommunikation herzustellen. 

Aussagen sollten in kurzen Sätzen laut, aber nicht ungeduldig, kommuniziert und möglichst einige Male wiederholt werden. Bestimmte Abläufe im Alltag sollten zur Routine gemacht werden, so dass die Gewohnheit eine stabilisierende Hilfe für den Dementen darstellt. Sollte dieser einmal unregulierte Ausbrüche in Form von Vorwürfen etc. herauslassen, so sollte nicht diskutiert, sondern gezielt abgelenkt werden. Immer muss im Bewusstsein gehalten werden, dass der Kranke nicht mit dem Maßstab von Gesunden beurteilt und behandelt werden darf.



Staatliche Hilfen für Demenzkranke
Die Pflegereform stärkt die Rechte der Demenzkranken. Denn mit der Erhöhung der Pflegesätze haben Demenzkranke auch dann Anspruch auf Zahlungen, wenn der körperliche Pflegebedarf nicht für die Pflegestufe eins ausreicht, aber trotzdem Betreuungsbedarf besteht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich ein Demenzkranker zwar noch selbst anziehen und waschen kann, aber schon so vergesslich und orientierungslos ist, dass er nicht mehr selbständig den Alltag bewältigt. Bislang gingen solche Menschen leer aus. Sie erhalten künftig bis zu 200 Euro im Monat.

Das Geld soll zweckgebunden sein und für zusätzliche Betreuungsleistungen eingesetzt werden. Das heißt: Nimmt ein Demenzkranker Angebote wie Betreuungsgruppen oder ehrenamtliche Helfer in Anspruch, werden diese Angebote direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Der Angehörige kann sich ebenso eine Rechnung ausstellen lassen, die er dann bei der Kasse einzureichen hat. Auszahlungen in Form von Bargeld gibt es in der Regel nicht, da sie sonst zweckentfremdet werden könnten.

Neuere Entwicklungen
Die Diagnostik des Alzheimer-Demenz verbessert sich stetig. So genannte biologische Marker und spezielle Bildgebungsverfahren können die Hirnaktivität messen und so zu guten Prognosen hinsichtlich des Krankheitsverlaufs beitragen. Dabei kommt es auf den Nachweis bestimmter Botenstoffe und ihrer Aktivität/Nicht-Aktivität im Gehirn an. Viele der Verbesserungen im medizinischen Sektor sind jedoch noch nicht vollständig markttauglich. Spezielle Genmutationen konnten nachgewiesen werden, die die Ursache von familiär vererbten Fällen  frontotemporaler Demenz darstellen. 

Es dauert jedoch einige Zeit, bis medizinische Möglichkeiten für eine breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Man sollte sich jedoch beständig informieren, damit die möglichst beste Behandlung in Anspruch genommen werden kann. Außerdem gibt es die geschilderten Fortschritte im Bereich der psycho-sozialen Betreuung wie bei den Wohnformen. 

Abschließend verbleibt der Hinweis, dass es unbedingt geraten erscheint, sich bei den Anzeichen einer demenziellen Erkrankung bei einem nahe stehenden Menschen professionelle Hilfe zu holen, anstatt zu sagen „das schaffe ich schon“. Ansonsten drohen die Kosten einer psychischen und emotionalen Überforderungen mit Wirkungen aufs gesamte soziale Umfeld. 



Weblinks

Deutsche Alzheimergesellschaft


Forschungsprojekt des Bundes von Quandem
 

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