Musiktherapie lesen

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Die heilende Kraft von Musiktherapie


Musik kann in vielfacher Hinsicht eine heilende Funktion aufweisen. Deshalb hat sich der Beruf des Musiktherapeuten als eigenständige Disziplin etablieren können. Im Folgenden werden die Arten von Musiktherapie und ihre Wirkungen dargestellt. Dazu geht es um die Frage, in welchen Fällen die Krankenkassen musiktherapeutische Maßnahmen unterstützt und welche Formen selber zu tragen sind. Folgende Themen werden erläutert:

  • Musiktherapie – eine traditionelle Heilungsform
  • Welche Arten von Musiktherapie gibt es?
  • Bei welchen Krankheiten ist die Anwendung der Musiktherapie erfolgversprechend?
  • Ist die Methode der Musiktherapie medizinisch seriös?
  • Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
  • Wo kann ich mich genau erkundigen, was für mich gut ist?
  • Welche anschlussfähigen Fachbereiche gibt es weiterhin?
  • Neuere Entwicklungen
  • Weblinks


Bereits antike Gesellschaften setzten auf die Kraft der Musik, um Gefühle des Wohlbefindens hervorzurufen. Musik sollte helfen, die innere Harmonie wieder herzustellen. Dabei konnte Musik trance- oder hypnoseähnliche Zustände auslösen. Bekannt ist die Harfe des späteren Königs David, der mit seinem lieblichen Spiel half, die Wutanfälle des Königs Saul zu beenden. In der Antike sollte die Musik den Menschen auf den Pfad seiner inneren Tugenden zurück führen. In der Renaissance sollte durch die Schwingungen von Musik der Blutkreislauf wieder in Ordnung gebracht werden. Die heutige Einteilung der Musiktherapie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Was jedoch auffällig ist, dass die Anwendung von Musik als Therapieform oft mit dem Eindringen in tiefere Daseinsformen verbunden ist. Musik und Religiosität sind zum Beispiel eng miteinander verbunden. Wer sich auf die Musiktherapie einlässt, der hat in der Regel den Mut, sich mit dem Kern von Problemen auseinander zu setzen und seinen Lebensstil zu hinterfragen.


Welche Arten von Musiktherapie gibt es?

Man unterscheidet in der Regel zwischen rezeptiver und aktiver Musiktherapie. Wie diese Definitionen bereits andeuten, handelt es bei ersterer Form um eine eher passive Anwendung von Musik zur Erreichung therapeutischer Ziele, während letztere Therapieform auf die aktive Teilnahme des Klienten setzt. Zunächst aber werden die Elemente der rezeptiven Musiktherapie vorgestellt. Bei dieser Therapieform nimmt der Patient die Musik in passiver Weise wahr und gestaltet die Musik nicht mit. Die Musik wird von einem Therapeuten selber oder mit Hilfe eines Mediums vorgespielt und sorgt beim Hörenden für positive Wirkungen. Das Musikhören ist aber insofern auch ein aktiver Prozess, indem durch die Musik die Selbstwahrnehmung des Patienten verbessert werden kann. Oft wird solche Musik verwendet, die der Patient mit positiven Erlebnissen oder Gefühlen verbindet. Dadurch werden dessen Ressourcen aktiviert, die zu einer verbesserten Lebenseinstellung beitragen können. Die individuelle Struktur des Patienten in Bezug auf Hörfähigkeit, Bildung und Aufnahmefähigkeit wird dabei berücksichtigt. Es gibt auch musiktherapeutische Formen, in denen der Therapeut selber die Musik spielt. Hier kommt es jedoch auf die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Klient an. Die rezeptive Form der Musiktherapie findet ihre Anwendung vor allem bei Neugeborenen, bei komatösen Patienten, in der Geriatrie und der Sterbebegleitung.

In der aktiven Musiktherapie spielt der Patient das Instrument selber. Der Therapeut stimmt mit dem Patienten das Instrument ab, das diesem helfen soll, seine Ausdrucksfähigkeit zu erhöhen. Es kommt nicht auf die Fähigkeit zu spielen an, es reicht, Töne zu erzeugen, die dem Patienten gut tun. Denn neben der verbalen und nonverbalen Kommunikation wird hier eine emotionale Ebene erreicht, die manche Patienten durch Vorbelastungen versperrt haben. So kann der Patient mit einer Panflöte vertraut gemacht werden, die er nach Belieben zu Tönen provoziert. Aber auch Trommeln ist eine sehr beliebte, weil auch einfache Anwendung von Musik. Regelmäßig erzeugte Rhythmen können wohltuend auf den Patienten wirken und ihm vergegenwärtigen, dass die Quelle der Beruhigung aus ihm selber kommt. Die Ausgestaltung der aktiven Musiktherapie ist äußerst vielseitig.


Bei welchen Krankheiten ist die Anwendung der Musiktherapie erfolgversprechend?
Die Musiktherapie kann vielfältig eingesetzt werden. Gerade in langfristigen stationären Maßnahmen wie Kuren oder Rehabilitationsmaßnahmen ist diese Methode gut anwendbar. Bei den Krankheitsformen ist die Therapie in verschiedenen Kontexten anwendbar. Vor allem beim chronisch-tonalen Tinnitus (Ohrenklingeln), von dem in Deutschland 1,5 Millionen Menschen betroffen sind, ist die Anwendung naturgemäß sinnvoll. Verschiedene Ansätze sind dazu entwickelt worden. Das Heidelberger Modell beispielsweise geht davon aus, dass der Tinnitus als Hörereignis wahrgenommen wird - ähnlich wie Musik. Dadurch können im Gehirn für dieses Sinnesorgan zuständige Areale aktiviert werden. Die störenden Wirkungen des Ohrklingelns können damit weitgehend abgestellt werden.

Aber auch in anderen Einsatzgebieten sind Musiktherapeutinnen tätig. Sie arbeiten mit Patienten jeden Alters. Menschen mit psychischen, psychosomatischen sowie psychiatrischen Erkrankungen oder Behinderungen können durch diese Methode neue Lebensfreude erlangen. Bei Suchtkrankheiten, Depressionen, Angst- und Essstörungen gibt es ebenso wirkungsvolle Anwendungsmöglichkeiten. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie können Aufmerksamkeitsdefizite und allgemeine Störungen des Sozialverhaltens durch Musik therapiert werden.


Ist die Methode der Musiktherapie medizinisch seriös?

Die Musiktherapie ist dabei, ihre offizielle Anerkennung als Beruf zu erreichen. Eine Konferenz künstlerischer Therapeuten definiert den Beruf des Musiktherapeuten als "eigenständigen Heilberuf, der das bestehende Gesundheits-, Sozial und Bildungswesen um den nonverbalen und kreativtherapeutischen Ansatz bereichert." Die Bundesarbeitsgemeinschaft Musiktherapie erarbeitet derzeit in Kooperation mit drei weiteren Konferenzen das interdisziplinäre Berufsbild des Künstlerischen Therapeuten.

Im Anwendungsfall kommt es jedoch vor allem auf die Zusammenarbeit mit den "klassischen" Bereichen der Medizin an. Der Musiktherapeut sollte keine Diagnosen eines Psychiaters, Psychologen oder praktischen Arztes stellen, sondern in Absprache mit diesem heilende Maßnahmen einleiten. Dialog ist der Schlüssel zum Behandlungserfolg. Sollten Musiktherapeuten jedoch exklusiv "ihre" Vorstellung des Problems durchboxen wollen, dann ist Skepsis geboten. Manche "freien" Therapeuten nähern sich stark esoterischen Schulen an. Österreich hat bis jetzt europaweit das einzige Musiktherapiegesetz verabschiedet, welches am 1. Juli 2009 in Kraft getreten ist.


Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Musiktherapie ist noch nicht als Regelleistung von den Krankenkassen anerkannt worden. Deshalb müssen die Kosten zunächst einmal selber übernommen werden. Ist dies finanziell kaum möglich, die medizinische Maßnahme aber zwingend geboten, dann wird der fehlende Abrechnungsschlüssel der Kassen durch ein anderes Fachgebiet ersetzt. Beispielsweise werden musiktherapeutische Maßnahmen zur Therapie auffälliger Jugendlicher dann im Rahmen von Kinder- und Jugendpsychiatrie abgerechnet. Hier kommt es auf das Zusammenspiel von Ärzten, Fachpersonal und Behörden an. Diese Möglichkeit ist jedoch nur dann wahrscheinlich, wenn der Musiktherapeut eine Approbation der Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz besitzt.


Wo kann ich mich genau erkundigen, was für mich gut ist?

Natürlich ist es immer gut, sich zuerst beim eigenen Hausarzt beziehungsweise dem behandelnden Facharzt über Möglichkeiten der Behandlung zu erkundigen. Dazu gibt es aber auch eine Menge von Fachverbänden, die regionale Abteilungen haben, die Ihre Fragen gerne beantworten. Die qualitativ hochwertig arbeitenden Musiktherapeuten sind hier in der Regel gelistet.

Sollte es Schwierigkeiten mit der Bezahlung durch die Kassen geben, dann sollte man sich auch bei Träger der Erwachsenenbildung erkundigen, ob sie Maßnahmen in dieser Richtung anbieten. Volkshochschulen, kirchliche Bildungswerke und sogar politische Stiftungen haben immer mehr Angebote, die in die künstlerisch-therapeutische Richtung weisen. Für den kleinen Geldbeutel ist das ebenso sinnvoll wie für jemanden, der "erst mal reinschnuppern" möchte.


Welche anschlussfähigen Fachbereiche gibt es weiterhin?
Neben der Musiktherapie spielen im Bereich psychosomatischer Heilmethoden die Kreativ- und Kunsttherapie eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von inneren Problemlagen. Dazu zählen Maltherapie, Kunsttherapie etc. Aber man kann die Musiktherapie ideal kombinieren mit anderen Maßnahmen zur Herstellung des inneren Gleichgewichts wie Nordic Walking, Zen-Übungen etc. Insgesamt sollte die Musiktherapie in einen ganzheitlichen Lebensstil des Wohlbefindens integriert werden. Wer sich einbildet, seinen zu stressigen Lebensstil durch "ein bisschen Musikhören zum Relaxen" ausgleichen zu können, der liegt völlig verkehrt.


Neuere Entwicklungen
Die Forschung in der musiktherapeutischen Richtung ist in Deutschland sehr gut institutionalisiert. Mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg verfügt Deutschland über das europaweit größte Forschungsinstitut. Zur Zeit beinhalten die Forschungsschwerpunkte des Instituts die Bereiche Tinnitus, Jugendliche mit Spannungskopfschmerzen und Migräne sowie die Entwicklung einer Bewertungsmethodik zur Wirkung von Computer- und Konsolenspielen. An der Universität Witten/Herdecke wurde ein Stiftungslehrstuhl für Musiktherapie eingerichtet, an welchem Musiker ein zweijähriges Studium zum Master in Musiktherapie absolvieren können.


















 

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