|
Mehr Transparenz und Pflege -TÜV in der Pflege
Bericht vom 85.Pflegestammtisch
Beim 85. Münchner Pflegestammtisch ging es um das Thema Transparenz und Pflege - TÜV. Die für Heime verpflichtende Veröffentlichung der Ergebnisse von Qualitätskontrollen, die Angehörigen und Senioren bei der Heimsuche helfen soll, verläuft für Claus Fussek in der Praxis recht schleppend. Dies ist das Ergebnis vieler Halbherzigkeiten im Gesetz.
Formal sollen vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vier Qualitätsbereiche untersucht werden. Dazu zählt (1) Pflege und medizinische Versorgung, (2) Umgang mit Demenzkranken, (3) Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung und (4) Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene.
Benotet werden die Bereiche nach Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft), die auch die Stiftung Warentest nutzt. Der große Fehler ist laut Experten jedoch die Gleichgewichtung der Bereiche. Prinzipiell kann ein Dekubitus (Druckgeschwür) durch eine gute Note beim Essen ausgeglichen werden. Dazu ist der Sanktionsmechanismus unzureichend.
Viele Kriterien sind subjektiver Natur und schwer zu messen. Bei den Qualitätskontrollen haben 70 % der deutschen Heime mit gut und sehr gut abgeschnitten. Laut Claus Fussek wird hier ein viel zu gutes Bild der Pflegeheime offenbart.
Bewertungen von Praktikern Landesgeschäftsführer Leonhard Stark hob hervor, dass sein Verband den Notenschnitt um eine halbe Note unterbieten wolle. Dazu zählen nicht nur oben genannte Qualitätsstandards, sondern auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in den Häusern. Denn deren Stress ist oft auch die Quelle von Übergriffen. Ein vernünftiger Umgang mit Schwachstellen wird im Haus eingeübt. Kritik ist erlaubt – im Gegensatz zu manch anderen Häusern drohen nicht gleich arbeitsrechtliche Konsequenzen, wenn Dinge angesprochen werden. Es werden auch alternative Wohnformen ausprobiert, dies kann jedoch nicht flächendeckend gewährleistet werden. Die medizinische und pflegerische Versorgung der Bewohner wird jedoch mit Hilfe der Kontrollen garantiert und auch fortentwickelt, versichert Stark.
Konfliktbewältigung als Ziel Gerd W. Stolp, Mentalcoach, sieht in den drückenden Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte eine Ursache für eine schlechte Heimqualität. Stress, Unzufriedenheit und Burn-Outs charakterisierten die Szene, die ohnehin unterbezahlt und gesellschaftlich wenig anerkannt sei. Stolp hilft Heimen, Mitarbeiterkonflikte konstruktiv zu bewältigen. Jeder bewältigte Konflikt erhöhe die Qualität im Haus und auch das Vertrauen und die Transparenz, ist die Aussage des Coaches. Obwohl das teure Notensystem (80 Millionen Euro Kosten) installiert ist, herrsche in vielen Heimen die Atmosphäre eines Tollhauses, moniert Stolp. Denn das Notensystem verschärfe noch das Eigeninteresse der Heime und führe kaum zu besserer Qualität, sondern eher zu besseren Darstellungsformen. In Heilbronn hat er ein alternatives Notensystem aufgebaut (www.pflegenetz-heilbronn.de), das sich „Sterne für eine gute Pflege“ nennt. Dieses aus den USA übernommene System stellt ein Netz an Projekten dar, die die Pflegetransparenz jenseits aller Bürokratie verbessern sollen. Dazu wird die Qualifizierung der Mitarbeiter in den Mittelpunkt der Bemühungen gestellt. Das Pflegenetz Heilbronn gibt eine eigene Zeitung heraus und unterhält engen Kontakt zur Kommune und verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Dadurch kann das Problem nicht hinter die Türen von Heimen gesperrt werden. Stolp glaubt, durch das Sternekonzept eher gegenüber den Herausforderungen gewappnet zu sein, die durch den demographischen Wandel auf die Gesellschaft zu kommen werden.
Â
Fazit: Der 85. Pflegestammtisch zeigt, dass rein politisches Bemühen um eine bessere Pflege scheitern. Es kommt auf den ständigen Druck der Zivilgesellschaft an, durch eigene Ideen und Kritik die Lage zu verbessern.
|